
Die Sonne strahlte schon mit angenehmer Wärme auf die Haut. Ganz im Gegensatz dazu fühlte sich das Glas Dole in der Hand, angenehm kühl an. Ringsherum türmten sich immer noch die Schneemassen, die diesen Winter so ergiebig Die Stimmung auf der Terrasse des Berghaus Grünseeals Ruedi den bedeutungsvollen Satz aussprach: "So, ich babe es jetzt gesehen".
Zermatt ist lange ein abgeschiedenes Bergdorf, das unerschlossen am Ende des 30 km langen Nikolai- und Mattertal liegt. Links und rechts türmen sich die höchsten Viertausender der Schweiz. Das Dorf ist nur über einen Saumpfad mit der Aussenwelt verbunden. Im Jahr 1891 wird die Bahnlinie Visp-Zermatt (VZ) eingeweiht. Das kleine Bergdorf hat zu dieser Zeit gerade mal rund 400 Einwohner. Die Bahnverbindung reisst das Bergbauerndorf regelrecht aus dem Dornröschenschlaf.
Ein Bergdorf erwacht aus seinem Dornröschenschlaf. Im Jahr 1891 fahren die ersten Gäste auf der neuen Eisenbahnlinie ins Matterhorndorf.

Zermatt ist lange ein abgeschiedenes Bergdorf, das unerschlossen am Ende des 30 km langen Nikolai- und Mattertal liegt. Links und rechts türmen sich die höchsten Viertausender der Schweiz. Das Dorf ist nur über einen Saumpfad mit der Aussenwelt verbunden. Im Jahr 1891 wird die Bahnlinie Visp-Zermatt (VZ) eingeweiht. Das kleine Bergdorf hat zu dieser Zeit gerade mal rund 400 Einwohner. Die Bahnverbindung reisst das Bergbauerndorf regelrecht aus dem Dornröschenschlaf.
Ein Hotelier treibt die Entwicklung voran
Es ist Alexander Seiler (1819-1891), der als erster die touristische Anziehungskraft des Matterhorns erkennt. Aus dieser Erkenntnis heraus begründet er die Hotellerie in Zermatt. Zuvor schon, ab dem 17. Jahrhundert, kommen Wissenschaftler nach Zermatt, um die Berge zu erforschen und zu vermessen. Später sind es Alpenschwärmer, allen voran Briten, die die Exotik der Berge erleben wollen. Sie machen sich daran, die Viertausender als erste zu besteigen. Das Matterhorn ist 1865 der letzte Viertausender, der noch bezwungen werden soll. Weil die Geschichte der Erstbesteigung vier Todesopfer fordert, erfährt die Welt vom Berg mit der faszinierenden Form. Ein neuer Geschäftszweig entsteht – der Tourismus. Schon in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts nehmen 12‘000 Touristen pro Jahr den beschwerlichen Weg nach Zermatt auf sich, um das Matterhorn zu sehen. Der Tourismusboom erfasst auch Zermatt.
Von Anfang an ein Erfolg
Alexander Seiler gründet darum nicht nur das Hotel Monte Rosa. Er setzt sich auch für eine Bahnverbindung zwischen Visp und Zermatt ein. Denn nur eine bequeme Anreise beschert dem Dorf mehr Gäste. Am 17. November 1888 beginnen die Bauarbeiten für die Bahnlinie, und schon im Juli 1890 kann die Strecke Visp-Stalden den Betrieb aufnehmen. Die Teilstrecke bis Zermatt muss immer noch zu Fuss oder mit dem Muli bewältigt werden. Später können auch Pferdekutschen fahren. Aber bereits ein Jahre später (1891), wird die Bahnstrecke bis Zermatt eingeweiht und der fahrplanmässige Sommerbetrieb aufgenommen. Dem Pionier Alexander Seiler ist es allerdings nicht vergönnt, eine Bahnfahrt zu geniessen. Er verstirbt am 10. Juli 1891, wenige Tage vor der Einweihung der Bahnstrecke. Aber seine Leiche wird mit dem ersten Bahnkurs aus dem Tal gebracht.
Die Passagierzahlen der ersten Sommersaison 1891 sind eindrücklich: 33‘695 Reisende. Ab 1898 steigt die Zahl der Reisenden nochmals rasant an, weil die Gornergrat Bahn von Zermatt auf den Gornergrat ihren Betrieb aufnimmt. Ab 1933 verkehren die Züge zwischen Brig und Zermatt regelmässig auch im Winter.
Aber der Tourismus hängt auch vom Weltgeschehen ab. Die beiden Weltkriege machen es den Unternehmern am Fuss des Matterhorns nicht leicht. Die Gäste bleiben weitgehend aus. Aber gleich nach dem Zweiten Weltkrieg kommt es wieder zum Aufschwung. Eine Viertel Million Passagiere benützen die Bahn, 1952 wird die Millionenschwelle geknackt, im Jahr 1973 sind es knapp 2 Millionen. Heute zählt die Strecke Visp-Zermatt jährlich über 3 Millionen Passagiere.
Naturgewalten und die Sicherheit
Die Bahnstrecke Visp-Zermatt ist im Laufe der 125 Betriebsjahre immer wieder Naturgewalten ausgesetzt: Hochwasser, Murgänge, Steinschlag und Lawinenniedergänge zerstören immer wieder Teile der Bahn-Infrastruktur.
Heute sichert ein ausgeklügeltes und weit verzweigtes Netzwerk von Sensoren, Lasern und Frühwarnsystemen die Talschaften. Zahlreiche Organisationen arbeiten Hand in Hand, rund um die Uhr: die Bahn, Fachkräfte des Kantons Wallis und der Gemeinden. Hinzu kommen Wissenschaftler, die die Berge mit den neuesten technologischen Mitteln beobachten. Denn es bleibt eine Tatsache: das Nikolai-Tal ist das am tiefsten eingeschnittene Tal der Schweiz, flankiert von Bergriesen wie beispielsweise der Mischabelgruppe mit Dom (4‘545 m) und Täschhorn (4‘491 m).
Es ist das Jahr 1778, als der Berner Siegmund Gruner in seinem Werk «Reisen durch die merkwürdigsten Gegenden Helvetiens» die Berge der Vispertäler als «die scheusslichste Wildnis der Schweiz» und «das schweizerische Grönland» beschreibt. Aber bald später tönte es anders. 1884 bezeichnet Ivan Tschudi im Reise- führer «Der Tourist in der Schweiz» Saas-Fee als «eine der schönsten Perlen der Alpenwelt».
Mit Tragstühlen wurden die Gäste bis 1906 über den Monte-Moro-Pass transportiert. Es brauchte jeweils vier Träger. Für die Strecke Stalden–Saas-Fee erhielt jeder acht Franken, was damals ein ansehnlicher Verdienst war.
Die erste touristische Erstbesteigung ist nach- weislich im Jahre 1822 geschehen, Kaspar Hirzel aus Zürich stieg über den Monte-Moro- Pass nach Macugnaga und drei Jahre später sind die ersten Engländer da. Jetzt beginnt das goldene Zeitalter des Alpinismus. Die Saaser Bergführer stehen nicht abseits da. 1854 wird das Strahlhorn als erster Saaser Viertausender bezwungen, mit dabei der Bergführer Franz Andenmatten. Alexander Burgener aus Eisten schaffte es zum Titel «König der Bergführer». Seine Erstbesteigungen (Matterhorn Zmutt- grat, Chamonix, Kaukasus) sind einzigartig und noch heute ist man gefordert, diese Touren erfolgreich zu absolvieren. Die Krönung bringt dann Matthias Zurbriggen. Im Alleingang be steigt er am 14. Januar 1897 den 6970 Meter hohen Aconcagua, den höchsten Berg Süd- amerikas. Dies war ein echtes Meisterstück, wenn man bedenkt, welche Logistik es damals brauchte, nur schon um an dieses Gebirge heranzukommen. Wegen der südlichen Lage und den oft extremen Wetterbedingungen ist die Besteigung des Aconcaguas durchaus ver- gleichbar mit der Besteigung eines Achttau- senders. Die grosse Leistung dieser Bergführer lag nicht in der Überwindung der technischen Schwierigkeiten, sondern darin, dass sie die Enge des damaligen Geistes und Aberglaubens überwanden. Hier wurde von den ersten Berg- führern Pionierarbeit geleistet und wichtige Grundsteine für den Fremdenverkehr gelegt.
Bergführerverein Saastal
Bereits 90 Jahre alt ist der Bergführerverein Saas-Fee/Saastal. Er wurde 1927 gegründet und zählte damals rund 40 Mitglieder. 1952 erreichte der Verein mit 73 Mitgliedern den Höchststand. Heute hat der Bergführerverein Saas-Fee/Saastal rund zwei Dutzend aktive Mitglieder.
1968 wurde in Saas-Fee das Bergführerbüro eröffnet. 1978 wurde in Saas-Grund die erste Bergsportschule gegründet. Die Saaser Bergführer haben die Zeichen der Zeit erkannt. Mit dem Bau von fünf Kletter- steigen ist das Saastal zum wahren Kletter- steig-Eldorado der Schweiz geworden. Die Schluchttour Gorge Alpine, der schönste Weg von Saas-Fee nach Saas-Grund, bietet nicht nur dem Gast ein grossartiges Erlebnis, für die Bergführer ist dies heute auch eine wichtige Verdienstmöglichkeit, sogar im Winter kön- nen die Gäste diese Schlucht genussvoll mit Bergführer begehen.
Im Jahre 1902 kostete die Besteigung des 4545 Meter hohen Doms 100 Franken. Für das Allalin musste der Gast 25 Franken bezahlen. Interessant sind diese Zahlen, wenn man bedenkt, dass ein Taglöhner pro Tag rund drei Franken verdiente.
Im Saastal gab es zwei Pickelschmieden, deren Pickel weltweit begehrt waren. Um 1908 kostete ein Pickel 8 Franken. Für 8-zackige Steigeisen musste man 10 Franken bezahlen, ein Bergstock mit Eschenstiel kostete drei Franken und für ein Hanfseil von 30 Meter musste man 15 Franken hinblättern. Heute wäre es oft angebracht, in stillen Stunden uns das Leben unserer Vorfahren zu Gemüte zu führen. Dies könnte uns helfen, die Schwellenängste unserer Zeit besser zu überwinden. Das Geheimnis ist bald gelüftet: Einfachheit, Ausdauer, Gastfreundschaft, Zufriedenheit, Treue, Heimatliebe. In diesem Sinne wollen die Saaser Bergführer auch heute Gastgeber sein und ihren treuen Gästen dienen.